Gründung im Geist der Freiheit
Geschichte der Burschenschaft Adelphia zu Gießen
Am 07. Mai 1870 gründeten Gießener Studenten den „Freien Studentenverein“, aus dem wenige Jahre später die Burschenschaft Adelphia hervorging. Ziel der Gründer war es, das traditionelle Verbindungswesen zu reformieren. Sie lehnten Duelle und Trinkzwang ab und setzten sich für Toleranz, Gleichberechtigung und gegenseitige Unterstützung ein – unabhängig von Herkunft, Religion oder politischer Überzeugung.
Name und Wahlspruch
1874 erhielt die Verbindung den Namen Adelphia (griechisch: „Bruderbund“) und den Wahlspruch „Effugit irreparabile tempus“ – „Die Zeit entflieht unwiederbringlich“. Er erinnert bis heute daran, Verantwortung für die eigene Zeit und Gemeinschaft zu übernehmen.
Wandel und Beständigkeit
In über 150 Jahren hat die Adelphia zahlreiche gesellschaftliche und politische Umbrüche erlebt. Trotz wechselvoller Zeiten blieb sie ihren liberalen und humanistischen Grundsätzen treu.
Besonders in den 1930er Jahren bewahrte sich die Verbindung ihre Unabhängigkeit. Da die Ideale der Adelphia – Toleranz, Freiheit und Gleichheit aller Menschen – mit der Ideologie des Nationalsozialismus unvereinbar waren, entschloss sich die studentische Reformverbindung Adelphia 1935 zur Selbstauflösung. Damit setzten ihre Mitglieder ein deutliches Zeichen für Haltung und Wertebewusstsein.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Adelphia als Burschenschaft Adelphia neu gegründet und führte ihre Tradition im Sinne ihrer Gründerväter fort.
Adelphia heute
Heute ist die Burschenschaft Adelphia eine liberale, nichtschlagende sowie konfessionell und parteipolitisch ungebundene Studentenverbindung an der Justus-Liebig-Universität und der Technischen Hochschule Mittelhessen. Sie steht für gelebte Freundschaft, Hilfsbereitschaft und den offenen Dialog zwischen den Generationen. Mittelpunkt der Gemeinschaft ist das Verbindungshaus in der Grünberger Straße in Gießen.